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WISSEN · KI

KI hinter der Werbung – wo sie wirklich wirkt

Über künstliche Intelligenz im Marketing wird viel behauptet und wenig belegt. Die nüchterne Antwort: Sie verändert vier Dinge deutlich, drei gar nicht — und ihre Wirkung hängt fast vollständig an der Qualität der Daten, die man ihr gibt.

KURZ GESAGT

KI wirkt dort, wo viele Daten schnell bewertet werden müssen: in der Auswertung, im Routing, in der Erstellung von Varianten und im Erkennen von Abweichungen. Sie ersetzt weder das Verständnis der Zielgruppe noch die Entscheidung über Angebot und Preis noch das Gespräch mit dem Kunden. Und sie ist nur so gut wie die Rückmeldung, die sie bekommt: Ohne die Information, welcher Kontakt tatsächlich abgeschlossen hat, optimiert auch das beste Modell auf die falsche Größe.

Wo KI heute tatsächlich etwas verändert

In der Auswertung. Zusammenhänge über Kanäle, Zeiträume, Zielgruppen und Produkte hinweg zu prüfen, war früher eine Frage verfügbarer Arbeitszeit. Heute lassen sich Datenmengen in Stunden durchdringen, für die früher Wochen nötig waren. Das verändert nicht, was gemessen wird, sondern wie schnell aus einer Beobachtung eine Entscheidung wird.

Im Routing. Welcher Kontakt zu welchem Angebot, zu welchem Partner, zu welcher Ansprache passt — das ist eine Abwägung vieler Merkmale gleichzeitig: Angaben aus dem Formular, bisheriges Verhalten, historische Erfolgsquoten, verfügbare Kapazität. Genau dafür sind lernende Verfahren gebaut. Der Unterschied zu einer festen Regel ist, dass sich das Modell an veränderte Wirklichkeit anpasst, statt eine Annahme von vorletztem Jahr fortzuschreiben.

In der Erstellung von Varianten. Anzeigentexte, Überschriften, Einstiegsseiten, Bildvarianten — Menge und Geschwindigkeit sind hier plötzlich kein Engpass mehr. Das ist in Kanälen wertvoll, die Material schnell verbrauchen. Es ersetzt allerdings keine Positionierung: Hundert Varianten einer schwachen Aussage bleiben hundert schwache Varianten.

Im Erkennen von Abweichungen. Dass eine Kennzahl ungewöhnlich läuft, fällt einem Menschen im Tagesgeschäft oft erst nach Tagen auf. Ein System, das laufend gegen den eigenen Normalzustand prüft, meldet es sofort. In einem Betrieb mit vielen Kampagnen und Produkten ist das einer der unspektakulärsten und wirksamsten Einsätze überhaupt.

Wo KI überschätzt wird

Sie ersetzt nicht das Verständnis der Zielgruppe. Warum jemand ein Produkt braucht, was ihn zögern lässt, in welcher Situation er sucht — das steht in keinem Datensatz vollständig. Ein Modell kann Muster im Verhalten finden, aber es kennt den Anlass nicht, aus dem das Verhalten entstand.

Sie ersetzt nicht die Entscheidung über Angebot und Preis. Kein Modell entscheidet, welches Produkt angeboten wird, zu welchen Konditionen und mit welchem Versprechen. Das sind unternehmerische Entscheidungen und bleiben es.

Sie ersetzt nicht das Gespräch. In beratungsintensiven und erklärungsbedürftigen Produkten entsteht der Abschluss weiterhin zwischen Menschen. KI kann davor und danach vieles abnehmen — vorbereiten, priorisieren, dokumentieren, nachfassen — aber nicht den Moment, in dem jemand Vertrauen fasst.

Die Voraussetzung, an der es meistens scheitert

Werbesysteme lernen aus dem, was ihnen zurückgemeldet wird. Wird ihnen das abgeschickte Formular gemeldet, lernen sie, möglichst viele Formulare zu erzeugen — auch von Menschen, die nie kaufen werden. Wird ihnen der tatsächliche Abschluss gemeldet, lernen sie etwas völlig anderes.

Das ist keine Frage des Modells, sondern der Verkabelung: Rückmeldung aus dem Vertrieb, saubere Kennzeichnung der Herkunft, serverseitige Übermittlung, Umgang mit Einwilligungen. Vor dieser Grundlage bringt jede weitere Automatisierung wenig. Mehr dazu unter Leadqualität messen und im Leistungsfeld Daten, Tracking und Messung.

Wie wir es handhaben

Wir setzen künstliche Intelligenz dort ein, wo sie Analysen präziser und Optimierungen schneller macht — in der Auswertung, in der Priorisierung, in der Erstellung von Varianten, im Erkennen von Abweichungen. Die Entscheidungen über Zielgruppe, Angebot, Aussage und Vorgehen treffen weiterhin Menschen mit über zwanzig Jahren Erfahrung in diesem Geschäft. Diese Aufteilung ist keine Zurückhaltung, sondern das Ergebnis der Beobachtung, wo beide Seiten tatsächlich überlegen sind.

Häufige Fragen

Wofür wird KI im Performance Marketing konkret eingesetzt?

Vor allem für vier Dinge: das Auswerten großer Datenmengen über Kanäle und Zeiträume hinweg, das Zuordnen von Kontakten zum jeweils passenden Angebot oder Partner, das schnelle Erzeugen von Anzeigen- und Seitenvarianten und das automatische Erkennen von Abweichungen im laufenden Betrieb.

Kann KI eine Agentur ersetzen?

Sie ersetzt Arbeitszeit, nicht Urteil. Die Entscheidungen, an denen Kampagnen scheitern oder gelingen — welche Zielgruppe, welches Angebot, welche Aussage, welcher Kanal, welche Strecke — beruhen auf Erfahrung mit Menschen und Märkten. Wer KI als Ersatz für diese Entscheidungen einsetzt, bekommt sehr schnell sehr viel mittelmäßiges Material.

Was braucht mein Unternehmen, bevor KI in der Werbung etwas bringt?

Vor allem eine Rückmeldung darüber, was tatsächlich zum Abschluss geführt hat. Ohne diese Information optimieren die Systeme auf Zwischengrößen wie abgeschickte Formulare. Der erste Schritt ist deshalb fast nie ein KI-Projekt, sondern die saubere Messung.

Ist der Einsatz von KI mit dem Datenschutz vereinbar?

Er kann es sein, wenn Zweck, Rechtsgrundlage und Datenfluss vorher geklärt sind und personenbezogene Daten nicht ungeprüft in externe Systeme wandern. Entscheidend sind die Fragen, welche Daten verarbeitet werden, wo sie verarbeitet werden und auf welcher Grundlage. Das ist eine rechtliche Bewertung im Einzelfall — wir planen sie mit ein, ersetzen dabei aber keine Rechtsberatung.

KONTAKT

Womit würden wir bei Ihnen anfangen?

Schreiben Sie in zwei Sätzen, worum es geht, oder rufen Sie an. Im ersten Gespräch klären wir Produkt, Zielgruppe und Ausgangslage – und ob wir der richtige Partner sind. Das dauert etwa fünfzehn Minuten und ist keine Präsentation.